YOLO und Wohnung?

Endlich eine Wohnung gefunden, es wurde auch wirklich Zeit.

Den ganzen Sommer, über Monate, Wohnungssuche, Bewerbung, Ablehnung oder wie es meistens kommt, keine Rückmeldung. In zwei Wochen fängt das Studium an und langsam wusste ich wirklich nicht weiter, aber nun habe ich sie: Eine wunderschöne 2-Raum-Wohnung mit einer nicht zu kleinen Küche und einem Bad, sogar mit Badewanne. Natürlich ist nicht alles perfekt, das Bad und die Küche brauchen wirklich eine Sanierung, die anderen zwei Räume würden mit wenig Aufwand super aussehen. Und die Lage: ruhig, kaum Autolärm zu hören, mit Blick auf einen Innenhof und nur fünf Minuten vom nächsten Supermarkt entfernt. Auch die Nachbarschaft ist super nett, auf den ersten Blick ein Traum, aber nicht für die „Besitzer_innen“ der Wohnung, denn: ich bin ohne ihre Kenntnis hier eingezogen und das nicht aus reiner „Böswilligkeit“ oder „krimineller Energie“, sondern weil ich nichts bekam fand, aber diese Wohnung gleichzeitig leer stand und auch nicht mehr vermietet wird; wieso auch immer.

Nun frage ich mich, wie siehst du es? Ist es in Ordnung in eine leere Wohnung zu ziehen, wenn du nichts anderes hast und auf absehbare Zeit auch nichts bekommst? 

Ich für meinen Teil habe beschlossen, mir etwas zu nehmen, was da ist, aber Menschen wie ich in dieser Stadt nicht mehr kriegen.

 

Am 27.09.13 veranstalte ich eine Einzugsparty in der Wohnung. Am besten Ihr verkleidet euch zu dem Motto „Love & Hate“.

Getränke und Co. selbst mitbringen (Es gibt wahrscheinlich eine Kühlmöglichkeit :). Beginn 18 Uhr Ende 22 -23 Uhr danach gemeinsam zu einer anderen Party.

Wo? Das erfährst du, wenn du Leute in deiner Nähe oder am Tresen fragst. 

Natürlich solltest DU es dann auch nicht per Mail, SMS oder Telefon weiter sagen.

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8 Kommentare zu YOLO und Wohnung?

  1. Nanü sagt:

    Für die Vervollständigung der kleinen Presseschau:

    http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Pro-Potsdam-sperrt-Besetzer-aus

    „Pro Potsdam sperrt Besetzer aus

    Die Auseinandersetzungen um bezahlbaren Wohnraum in Potsdam haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Jetzt sind es Studenten, die in die Offensive gehen, die Stadtpolitik und die städtische Immobilienholding Pro Potsdam attackieren – und sich dafür sogar strafbar machen.

    Innenstadt. Wie berichtet, haben sie in den vergangenen Tagen eine Wohnung besetzt. Die Aktion ist nun aufgeflogen. Bereits am Mittwoch sind Pro-Potsdam-Mitarbeiter auf das aufgebrochene Appartment in der Behlertstraße gestoßen. Gestern fanden sie die Wohnung erneut geknackt vor. Die Pro Potsdam wirft den Besetzern Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Vandalismus vor und hat Anzeige erstattet. Auch der städtische Versorger EWP ist alarmiert, denn die unrechtmäßigen Untermieter hatten die Plombe am Verteiler aufgebrochen und den Strom angezapft.

    Die Besetzer haben ihre Matratzen, Schlafsäcke und andere Habseligkeiten inzwischen aus der Wohnung geklaubt. Nach wie vor wollen sie anonym bleiben. Ihre Motive sind derweil auf Graffiti an den Wohnungswänden verewigt: „Keine Räume für Pro Potsdam“ steht da geschrieben und „Wohnungen denen, die drin wohnen“. In einem Blog erklären sie außerdem, dass es unverständlich ist, dass in Potsdam Wohnungen leer stehen und nicht auf dem Markt zu finden sind, während hunderte Studierende seit Monaten erfolglos eine Wohnung suchen.

    „Der Vorfall ist ungewöhnlich“, sagte Pro-Potsdam-Sprecher Sebastian Scholze am Freitag der MAZ. Er warnt zugleich Nachahmer: „Die Pro Potsdam wird das so nicht hinnehmen. Jeder Fall wird zur Anzeige gebracht.“

    Der Asta (Allgemeiner Studierendenausschuss) der Universität Potsdam stellt sich indes vor die Besetzer und rechtfertigt ihr Vorgehen. Die Stadt sollte die Besetzung „als ein weiteres deutliches Signal ansehen, dass schnellstmöglich eine Lösung für die prekäre Wohnraumlage in Potsdam gefunden werden muss.“ Zum einen seien die Wohnheime des Studentenwerks „über die Maßen besetzt; es gibt Wartesemester“, sagt Kultur-Referent Jürgen Engert. Zum anderen lasse der Wohnungsmarkt Studenten und anderen Menschen mit schmaler Börse keine Chance. „In einer Stadt, die fragwürdige Prestigeprojekte wie das Stadtschloss und die Garnisonkirche wieder aufbaut, anstatt sich endlich der real existierenden Wohnungsnot zu widmen, sollte man sich nicht wundern, wenn Leerstand pragmatisch genutzt wird.“

    Zwar ist die Pro Potsdam nicht mit der Polizei, sondern lediglich mit dem Hauswart und dem Schlüsseldienst angerückt, doch der Asta betrachtet die Wohnung auf jeden Fall als geräumt, sagt Engert. Dies sei „in Sachen politischer Gestaltungsfähigkeit ein schreiendes Armutszeugnis“. Rund 17.000 Wohnungen gehören zur Pro Potsdam; zwei Drittel sind saniert. „Etwa 100 Wohnungen stehen derzeit sanierungsbedingt leer und werden nicht vermarktet“, sagt Scholze. Diese Wohnungen würden entweder freigehalten, weil man gerade die Bauarbeiten plant oder vorbereitet und es unwirtschaftlich wäre, sie für eine kurzfristige Vermietung provisorisch instandzusetzen. Oder sie würden freigehalten, weil sie als Ausweichquartiere für jene dienen sollen, deren Wohnungen demnächst saniert werden.

    Dass sich die Aktivisten ausgerechnet den Behlert-Block für ihren Protest ausgesucht haben, dürfte kein Zufall sein. Das 1935 gebaute Objekt mit mehr als 260 Wohnungen gilt als zweite Heidesiedlung. Im Mai fiel das Ensemble nach Jahren ungeklärter Eigentumsverhältnisse an die Pro Potsdam. Viele Bewohner und der Arbeitskreis „Recht auf Stadt“ befürchten seither, dass die Pro Potsdam das Objekt ‒ wie zunächst auch die Heidesiedlung in Babelsberg ‒ verkaufen will und eine Luxussanierung droht, die das Wohnen dort unerschwinglich macht.

    Was die Zukunft dem Behlert-Block tatsächlich bringt, ist unklar. „Wir werden uns mit dem Objekt Anfang 2014 intensiv beschäftigen“, sagt Scholze. Erst nach einer gründlichen Bestandsaufnahme und Gesprächen mit den Mietern wolle man entscheiden, in welcher Form saniert wird. „Die Baukosten sind auf jeden Fall sehr hoch und kommen denen eines Neubaus gleich.“ Eine Nettokaltmiete von 5,50 Euro pro Quadratmeter sei schlicht utopisch. Hier sieht die Pro Potsdam auch die Stadtverordneten in der Pflicht, wenn sie eine sozial durchmischte Stadt wollen. Scholze wies darauf hin, dass die Pro Potsdam derzeit 40 Wohnungen für Leute wie Studenten und Alleinerziehende bereit hält ‒ mit Wohnberechtigungsschein zu besonders günstigen Konditionen.

    Von Nadine Fabian“

  2. unknown sagt:

    Hallo,
    finde ich echt eine super Aktion von Dir/Euch! Hoffe Ihr könnt da noch lange wohnen.
    Es kann nicht sein das sich so an unseren Grundbedürfnissen bereichert wird, es kann nicht sein das Wohnraum bei gleichzeitiger Knappheit einfach leer steht.
    Es kann auch nicht sein das man sich dann noch vorwerfen lassen muss, dass man sich nicht genug angestrengt hat – was ist denn mit denen die sich nicht „anstrengen“ können oder wollen, es gibt keine wirkliche Alternative zum Wohnen!
    Die Häuser denen, die drin wohnen!

    Solidarische Grüße,
    von einem der hier auch im preußischen Disneyland studiert.

  3. Hip Hip sagt:

    MAZ extra vom 28.9.2013

    „Studenten besetzen Wohnung

    Potsdam – Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni macht auf eine Initiative Potsdamer Studierender aufmerksam: Sie haben eine Wohnung bezogen, ohne sie gemietet zu haben. Die Gründe für die Besetzung werden in einem Blog erläutert: Während hunderte Studierende seit Monaten erfolglos auf Wohnungssuche sind, stehen in Potsdam Wohnungen leer, die nicht auf dem Wohnungsmarkt zu finden sind.
    Die Ursachen hierfür bleiben unklar. Besetzungen seien zwar keine zukunfsfähige Lösung für die allgemeine Wohnraumknappheit, doch sollte schnellstmöglich eine Lösung für die prekäre Wohnraumlage in Potsdam gefunden werden, erklärt am Donnerstag Freya Peiler Referentin für Sozialpolitik beim Asta.“

  4. Slia sagt:

    Aus dem Neuen Deutschland vom 27.9.2013

    Potsdam (nd). Von der offensichtlichen Besetzung einer Wohnung in Potsdam berichtet der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Potsdam. In den vergangenen Tagen sei man darauf aufmerksam geworden, hieß es am Donnerstag. Es handele sich um eine ungewöhnliche Initiative von Studenten. Als Grund werde angegeben, dass in Potsdam Wohnungen leer stehen, die nicht auf dem Wohnungsmarkt zu finden sind, während Hunderte Studenten monatelang vergeblich nach einer Bleibe suchen. Die Ursachen hierfür seien unklar.

    »Besetzungen mögen für Eigentümer ärgerlich sein und stellen wohl keine zukunftsfähige Lösung für die allgemeine Wohnraumknappheit dar, allerdings sollte die Stadt Potsdam diesen Zug als ein weiteres deutliches Signal ansehen, dass schnellstmöglich eine Lösung für die prekäre Wohnraumlage in Potsdam gefunden werden muss«, meinte die AStA-Referentin für Sozialpolitik, Freya Peiler.

    Offen bleibe die Zukunft der kürzlich besetzten Wohnung, heißt es. AStA-Referent Vincent Heßelmann stellte klar: »Wenn es hierauf nach Monaten der Untätigkeit die einzige Antwort der Verantwortlichen bei der Landeshauptstadt und dem Land Brandenburg sein sollte, die Kavallerie zu schicken und die Wohnung räumen zu lassen, so ist das in Sachen politischer Gestaltungsfähigkeit ein Armutszeugnis.«

    In der besetzten Wohnung soll heute Abend eine Einzugsparty gefeiert werden.

  5. Lety sagt:

    Nun, das mit der Wohnungsknappheit mag zwar stimmen und tatsächlich ein schwerwiegendes Problem sein, dennoch ist es absolut keine Lösung, fremdes Eigentum an sich zu reißen und dann auch noch wilde Partys zu feiern. -.- Weshalb Wohnungseigentümer ihren Besitz nicht vermieten mag verschiedene Gründe haben. Jedenfalls ist es Sache der Eigentümer, nicht von irgendwem anders. Wer seine Wohnung nicht vermieten will (und somit damit auch keine Mieteinnahmen erzielt..), tut es eben nicht. Dennoch hat deshalb absolut keiner das Recht, mal eben mutwillig in fremde Räumlichkeiten einzudringen und sich dort breit zu machen, als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Zur Info: Ich kenne selbst einige private Wohnungsvermieter in und um Berlin, teilweise auch in Potsdam. Nicht alle von ihnen vermieten alle ihre verfügbaren Wohnungen, da es ja nun nicht so ist, dass man mal eben vermietet, Geld kassiert und gut ist. Besonders als privater Wohnungseigentümer hat man einige Verpflichtungen, insbesondere, wenn man seine Wohnräume zur Vermietung bereitstellt. Ist beispielsweise im nächsten Jahr eine umfangreiche Renovierung/Sanierung der Wohnung geplant, wird sich der Eigentümer in der Regel hüten, diese Wohnung im Vorfeld zu vermieten. Immerhin ist er es, der letztendlich den ganzen Ärger hat und für Schäden für gewöhnlich aufkommen muss. Klemmt Beispielsweise die Toilettenspülung und muss der Spülkasten ausgetauscht werden, wird es in den meisten Fällen der Eigentümer zahlen müssen. Dass man solche Sachen (etwa vor einer umfangreichen Renovierung) vermeiden will, ist wohl nachvollziehbar. Genauso könnte es sein, dass der Eigentümer vor hat, diese Wohnung in absehbarer Zeit selbst zu verwenden. Etwa als Unterkunft, wenn er selbst in der Stadt ist und seinen Hauptwohnsitz an einem anderen Ort hat. Davon einmal abgesehen ist es jedoch auch noch höchst unfair, dem Eigentümer gegenüber. Aus seiner Sicht: „Hilfe, eine Horde Vandalen belagert meine Wohnung und ich sitze am Ende auf den Schäden und bin sogar noch der, der für etwaige Verstöße haften muss, kaum ohne Chance auf irgend einen Schadenersatz.“ Natürlich verstehe ich auch deine Position, klar ist es schwierig, von jetzt auf gleich eine bezahlbare Wohnung zu finden. Jedoch haben es alle anderen ja nun auch irgendwie geschafft. Ich kenne in meinem Semester jedenfalls niemanden, der ohne Wohnung dasteht. (ich habe letztes Jahr an der Uni Potsdam angefangen) Zumal sich mir nicht erschließt, weshalb man als allein stehende Person eine 2-Zimmerwohnung benötigt? Tut’s nicht auch eine 1-Raumwohnung? Selbst wenn es nicht machbar ist, eine geeignete eigene Wohnung zu finden… Dann nimmt man sich halt fürs Erste ein Zimmer in irgend einer WG. Auf WG-Gesucht wird nun wirklich wie verrückt nach neuen „Mitbewohnern“ gesucht. Klar, WG ist nicht jedermanns Sache, aber es ist ja wohl alles besser, als sich mit einer Frechheit und Selbstverständlichkeit in fremden Wohnungen breit zu machen. Mein Gott, wenn man sich frühzeitig kümmert und alle Wege ausschöpft, findet man eine Wohnung. Klar, vielleicht keine 2-Raumwohnung mitten in Potsdam, aber für eine 1-Raumwohnung oder ein Zimmer sollte es nun wirklich reichen. Man sollte vielleicht kein Luxusloft erwarten, aber gewisse Ansprüche muss man, wenn es wirklich brennt, eben vorerst zurückstecken. Notfalls kann man sich für die ersten Wochen eine günstige Pension suchen. (gibt es durchaus für 10 Euro die Nacht. Auf den Monat gerechnet ergibt das in der Regel eine Summe von um die 300 Euro. Also durchaus ein normaler Mietbetrag) Das ist vielleicht nicht unbedingt komfortabel und man kann keine wilden Partys schmeißen, jedoch ist es absolut fairer, als das Belagern von Wohnraum, zu dessen Nutzung man keine rechtliche Grundlage besitzt. Auf diese Weise findet man ohnehin keine Wohnung. Denn welcher Wohnungsbesitzer vermietet sein Eigentum denn bitte an Personen, die mit solchen unsittlichen Aktionen aufgefallen sind? Wohnungsbesitzer sind auch Menschen, die können ebenfalls untereinander kommunizieren und sich teilweise natürlich auch kennen. Ist nicht unwahrscheinlich. ;) Besonders, wenn die Eigentümer mehrere Objekte vermieten und somit unterschiedliche Eigentümerversammlungen besuchen müssen. Ich würde meine Wohnung jedenfalls niemanden anvertrauen, von dem ich, etwa von einem Kollegen, der auch Wohnungen vermietet, erfahren habe, dass diese Person dessen Wohnung ohne jegliche Zahlungen belagert hat und dann auch noch die bodenlose Frechheit besaß, groß im Internet für irgendwelche Partys zu werben. Ich würde mir also ganz dringend überlegen, ob ich weiterhin fremden Besitz vereinnahmen will oder ob ich nicht lieber ein bisschen aus dem Knick komme und effektiv auf Wohnraumsuche gehe. Zumal es sich mir nicht erschließt, weshalb man, wenn man wirklich aktiv sucht, keine Wohnung bekommen sollte. Ein WG-Zimmer ist notfalls so gut wie immer drin. Außerdem hat man doch auch Freunde? Wieso mietet man sich nicht für die erste Zeit bei denen unter, bis etwas eigenes gefunden wurde? Dann beteiligt man sich eben für ein paar Wochen an deren Kosten und schläft auf dem Sofa. Klar, eine 2-Raumwohnung ist natürlich ansprechender als ein Sofa bei Freunden… und zudem ja sogar noch gratis, so ganz ohne Mietvertrag… Allerdings moralisch absolut verwerflich und keinesfalls „rechtens“, nur weil man als Begründung vorschiebt, man fände nichts. Das halte ich für ausgekochten Blödsinn. Wenn man angeblich nichts findet, weshalb tut man sich dann nicht mit anderen noch Suchenden zusammen und gründet eine eigene WG? (einige aus meinem Semester haben das letztes Jahr getan, zumal man über die Uni Potsdam Ersti-Facebookgruppen in der Regel schon früh Kontakte zu den zukünftigen Kommilitonen knüpfen kann) Oder wendet sich direkt an Hausverwaltungen? Nicht alle Wohnungen stehen im Immoscout. ;) Fakt ist jedenfalls: Wer sich wirklich um eine Wohnung bemüht und bereit ist, den angemessenen Mietpreis dafür zu entrichten, wenn man sich für Lau durch schmarotzen möchte geht das natürlich nicht (ich zahle 390 warm, 1-Raum, Küche, Bad, modernisiert und beste Berliner Lage), wird fündig. Auch als Student. Damit: Frohe Wohnungssuche und dieses Mal vielleicht auf legalem Wege. -.-

    • Slia sagt:

      Liebe_r Lety,

      leider weiß ich gar nicht, wo ich bei deiner Nachricht anfangen soll. Ich habe mich entschieden, einfach chronologisch vorzugehen.

      Ich weiß ehrlich nicht, wie du darauf kommst, dass in der Wohnung eine wilde Party gefeiert wurde? Warst du da? Ich schätze ja fast nicht. Na ja, ich mag Unterstellungen nicht, deshalb versuche ich den Punkt „wilde Partys“ im Folgenden zu ignorieren (was gegen wilde Partys und anschließendes gemeinsames Saubermachen spricht, weiß ich jedoch auch nicht; zumal die Party ja nur bis kurz nach Beginn der offiziellen Nachtruhe angesetzt war; das halte ich durchaus für ungewöhnlich. Kenn ich von Partys von Bekannten, die „normale“ Mietverträge haben, jedenfalls nicht).
      Du meinst, dass der Mensch, der die Wohnung besetzt hat, sich dort breitmacht (klar, eine 1-Zimmer-Wohnung hätte die Person auch besetzen können, aber ich kenne da jetzt auch keine Adresse. Abgesehen davon, dass da ja auch ruhig noch Leute miteinziehen können. Dann sind mindestens zwei Leute in einer 2-Zimmer-Wohnung und das ist doch ein guter Schnitt). Ich bin ja der Meinung, dass das schlimmere Problem ist, dass sich statt dieser einen Person strategischer Leerstand zwecks sozial unverträglicher und mit der Bewohner_innenschaft nicht abgestimmter Sanierungsmaßnahmen breit machen. Oder wenn es um städtisches Eigentum geht, dann dass sich strategischer Leerstand zwecks Hausverkauf breit macht.
      Was mich bei deinem Kommentar überrascht hat, ist, dass du meinst, dass alle möglichen Entscheidungen in Hand der Eigentümer_innen liegen (abgesehen davon, dass ich mich grundsätzlich frage, woher sie dieses Eigentum haben, ob sie sich den durch eigene Arbeit oder durch anderer Menschen Arbeit aneignen konnten, was sie in die Lage gebracht hat, dass sie soviel verdienen konnten, um sich Wohnraum anzueignen etc.). Die Bewohner_innen der Häuser bestimmen natürlich mit, nur wird dieses Mitbestimmungsrecht unterdrückt, Miethöheänderungen verläufen immer einseitig und nach oben (selten von der Bewohner_innenschaft aus und/oder nach unten), geschweige denn, dass die Bewohner_innen mitbestimmen können, was mit der Miete und mit evt. Erhöhen passieren soll.
      So, an der Stelle, an der ich jetzt wieder an deinen Kommentar anknüpfe, spielst du wieder auf den „Wilde Partys, Remmi-Demmi und Vandalismus“-Gedanken an. Ey, ich weiß echt nicht, wie du darauf kommst. Wie gesagt, ich glaube, du warst nicht auf der Party und die weißt nicht, wie die Wohnung aussieht. Wenn du doch da warst, mein Fehler. Wenn nicht, dann bitte lass diese Unterstellungen. Abgesehen davon, dass in vielen Wohnungen, die strategisch leergehalten werden sollen, die Vandale doch von Vermieterseite aus begangen wird – damit eben keine_r darein geht und dort wohnt (wichtige Einrichtungsgegenstände wie Heizkörper, Waschbecken etc. rausnehmen usw.).
      So, weiter geht´s mit Unterstellungen. Wer redet davon, dass die Person eine Wohnung von jetzt auf gleich finden wollte? Sie hat mehrere Monate lang gesucht. Ich kenne Leute, die seit Monaten bei Bekannten unterkommen müssen, weil sie nichts finden. Ich persönlich hatte riesengroßes Glück. Hätte meine eine Wohnmöglichkeit nicht geklappt, hätte ich 4 Monate auf eine Wohnung warten müssen, bei der auch nicht klar gewesen wäre, ob ich sie schlussendlich kriege. Von Pro Potsdam und Co. habe ich bis nach potenziellem Einzugstermin keine Nachricht bekommen.
      und Wie´s bei Wg-Gesucht aussieht, wissen wir wahrscheinlich auch alle. Ich persönlich war bei meiner letzten Suche sowohl in Potsdam als auch in Berlin bei ungefähr 25 Castings, war regelmäßig eine von 40 Bewerber_innen… wie kommst du denn darauf, dass mal-schnell-in-irgendeine-Wg-ziehen so einfach geht? Ich freue mich, dass es bei dir geklappt hat, aber das klappt nicht bei allen. Wenn es darum geht, ob Frauen gute Berufsaufstiegschancen haben, kannst du doch auch nicht sagen:“Bei Angela Merkel hat´s doch geklappt. Daran sieht man doch, dass es möglich ist und alle Frauen können das. Und wer ist nicht kann, der strengt sich nicht genug an.“ Und wie kommst du darauf, dass bei Wg-gesucht wie verrückt nach neuen Mitbewohner_innen gesucht wird? Nur weil da viele Inserate sind? Kennst du das Verhältnis von Inseraten und Antworten? Ich habe in ungefähr eine Ahnung davon und nein, viele Angebote bedeuten nicht, dass man mal eben was findet.
      Nun zu der Einschätzung, was du als frech empfindest (in eine strategisch leergehaltene Wohnung einzuziehen). Was frech ist (strategischer Leerstand, Mieten ab 5,50 Euro/qm) und was nicht (gegen strategischen Leerstand handeln und sich gegen unsoziale und nicht mit der Bewohner_innenschaft abgestimmte Sanierungsmaßnahmen engagieren), scheint doch subjektiver zu sein als ich dachte. Meine Güte, nur weil etwas legal ist, ist es doch noch lange nicht gut und nur, weil etwas illegal ist, ist es noch lange nicht schlecht. Da gibt es tausende Beispiele. Und strategischer Leerstand, ungerechtfertigte Mieterhöhungen usw. sind legal. Deshalb würde ich mal schnell von der Denke, dass legal=gut und illegal=schlecht ist, wegkommen. Gibt einfach zu viele Widersprüchlichkeiten (Gesetze sind immer noch menschengemacht, also nicht unfehlbar oder gar unabhängig von Partikularinteressen).
      Und „mein Gott“, nein, auch wenn man alle Wege ausschöpft, löst sich ein solches Problem nicht. Vielleicht hätte der Mensch, der die Wohnung besetzt hat, doch irgendwann eine Wohnung bekommen (ich wüsste jetzt keinen Grund, warum es bei chronischer Unterversorgung irgendwann so kommen sollte, aber glauben wir mal dran): dann hätte ein anderer Mensch, der auch sucht, dagestanden und keine Wohnung gefunden. Dass der Mensch keine Wohnung gefunden hat, ist doch kein individuelles Problem, was mal schnell auf individueller Ebene gelöst werden kann. Ein bisschen mehr auf die Metaebene gehen hilft da manchmal, strukturelle Probleme zu erkennen.
      Was Pensionen als anfänglichen Wohnungsersatz angeht: 300 Euro sind für viele Studis ca. 50 Prozent des monatlichen Einkommens (für manche mehr, für andere weniger). Das geht doch nicht, dass man für´s Miete zahlen, was in meinen Augen kein Naturgesetz ist, weil dahinter kein auch nur annähernd proportionaler „richtiger“ Arbeitsaufwand der Vermietenden steht, circa die Hälfte des gesamten Einkommens zahlt. Das seh ich überhaupt nicht ein. Kein kaputter Spülkasten, keine Versicherung und keine Grundsteuer machen einen Aufwand von 300 Euro plus x pro Wohnung/Zimmer aus (300 Euro ist auch für Schlaatz, Waldstadt und Am Stern sehr wenig für eine 1-Raumwohnung).
      Und nochmal zu dem, was fair ist und was nicht. Ich finde es überhaupt nicht fair, in der Regel 380 Euro warm für eine 1-Raumwohnung am äußersten Rand von Potsdam zu bezahlen. Und das Party-Argument beachte ich mal nicht weiter. Eine Einweihungsparty ist jetzt nicht der Zweck des Bewohnens einer Wohnung, aber das wurde auch nirgendwo gesagt. Es gibt viele Leute, die Einweihungspartys feiern, die haben teilweise auch „normale“ Mietverträge, aber die Diskussion jetzt wäre einfach sinnfrei.
      Zum Einwand, dass man auf „eine solche“ Art ja auch keine Wohnung findet. Na ja, die Wohnung wurde doch gefunden; ich weiß jetzt nicht, warum nicht weitere gefunden werden sollen, wenn es doch strategischen Leerstand gibt. Das Problem war, dass die Person auch vor der Aktion keine Wohnung gekriegt hat. Es kann einfach nicht jeder Mensch 350 Euro und damit mehr als 50 Prozent des monatlichen Einkommens einfach nur für eine Wohnung zahlen. Abgesehen davon, dass selbst, wenn man sich damit abfindet. 2/3 des monatlichen Einkommens für Miete zu zahlen (und sich dann halt einfach nur noch Scheiß-Kohle-/Atomstrom hat und das billigste des billigsten und das am unfairsten produzierte Essen leisten kann), trotzdem keine findet. Das war in meinem Fall so und auch im Fall der Person, die die Wohnung jetzt besetzt hat.
      Nochmal zum Thema Unterstellungen: Warum maßt du dir an, den Arbeitsaufwand bei der Wohnungssuche dieser Person zu kennen? Weißt du, wieviele Bewerbungen sie losgeschickt hat, weißt du, wie oft sie SchuFa-Bescheide, Lohnnachweise etc. überall hinverschickt hat? Es wäre schön, wenn du solche Anmaßungen und Spekulationen unterlässt. Die führen einfach zu nichts; höchsten zum Bestätigen deines Weltbildes, dass schon alles klappt, wenn man sich nur anstrengt. Gibt übrigens viele Untersuchungen zu dem Thema „positives Weltbild erhalten“ (zu dem Thema http://de.wikipedia.org/wiki/Gerechte-Welt-Glaube).
      Ich persönlich finde es gerade einfach nur verletzend, wie du mit einer Leichtigkeit, da du ja nicht in der Situation steckst, solche Sachen raushaust wie man könne sich ja einfach bei Freunden einmieten und auf der Couch schlafen. Ich weiß nicht, wie du dich fühlst, wenn du 3 Monate am Stück zu zweit mit jemandem im Zimmer schläfst, immer den Druck haben, da mal beizeiten rauszumüssen, weil Privatsphäre ja auch eine schöne Sache ist, die sowohl du, als auch der Mensch, bei dem du wohnst, mit der Zeit immer mehr zu schätzen weißt. Meine Güte, es gibt eine chronische Unterversorgung. Potsdam hat einen Leerstand von 2 Prozent. Selbst die marktunkritischsten Wirtschaftswissenschaftler_innen reden davon, dass ab unter 4 Prozent Leerstand ein Immobilienmarkt nicht mehr funktioniert (abgesehen davon, dass ich Wohnraum für keine Ware halte, sondern für einen Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge).
      Und nochmal: Fakt ist, es gibt eine chronische Unterversorgung; dass jeder Mensch etwas findet, wenn er sich nur anstrengt, halte ich für ausgekochten Blödsinn (sonst gäbe es ja keine verdeckte Obdachlosigkeit; ich halte mich da eher an Fakten, als an „Ach, wie schön, ich hab´s geschafft, das können dann ja alle anderen Menschen auch, weil sie auch alle soviel BaföG wie ich kriegen und/oder einen so gut bezahlten Nebenjob wie ich haben. Und wenn nicht, strengen sie sich nicht genug an“). Verdammt, deine Miete hätte in meinen ersten beiden Semestern 2/3 meines Monatseinkommens gefressen. Das wäre gar nicht möglich gewesen.

      Ich würde einfach mal ein Gleichnis bringen. Ganz viele Menschen spielen Stuhltanz. Es gibt immer mindestens einen Stuhl zu wenig, also immer Mangel. Und dann zu kommen mit „Wenn ihr schnell genug seid (abgesehen davon, dass man dann mitunter auch Ellenbogen einsetzen muss, was einfach uncool ist), dann kriegt ihr alle einen Stuhl“ … ich glaube, die Person würde man für nicht allzu sehr auf der Metaebene denkend halten (um es nett auszudrücken).

      Na ja, ich hoffe, du wagst einen Blick von der Metaebene, richtest deine Kritik auch mal gegen bestehende Gesetze und glaubst nicht an ihre Unfehlbarkeit und na ja… vielleicht musst du auch mal mit etwas weniger Geld aus deiner Wohnung raus und suchst dann auch ein paar Monate. Ich sag ja immer, das Sein bestimmt das Bewusstsein. Auf denn.

  6. GrimmMi sagt:

    Wo finde ich denn die Leute in der Nähe und wie zur Wohnung?

    • androlus sagt:

      =)
      Der Text wurde auch als Flyer in verschiedenen Kneipen in Potsdam verteilt.
      Dort wissen immer wieder einzelne solche sachen und die Tresenkräfte wussten auch bescheid.
      Natürlich wurdedie Adresse nur an Leute weitergegeben die Mensch auch persönlich kennt.

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